Carl-Schurz – Teilnehmer der Revolution 1848

Tabellarischer Lebenslauf

02.03.1829 Carl Schurz wird als Sohn eines Dorfschullehrers in der Pächterwohnung der Burg Gracht bei Liblar nahe Köln geboren. Er ist ein lebhafter, aufgeweckter Junge.
1825 Schurz besucht die Dorfschule in Liblar
1837 Wechsel in die Elementarschule in Brül
1839-1846 Er besucht das Kölner Jesuiten-Gymnasium
1846 Familie Schurz zieht von Liblar nach Bonn um. Wegen finanzieller Probleme verlässt Carl das Gymnasium in der Unterprima, um sich ganz den Familienangelegenheiten widmen zu koennen.
1846-1847 Schurz ist Gasthörer an der Universität Bonn. In Köln legt er als „Auswärtiger“ das Abitur ab.
1847-1848 Schreibt er sich in das Universitätsverzeichnis an der Bonner Universität ein und studiert Philologie und Geschichte. Erster öffentlicher Vortrag. Während seiner Studienzeit entwickelt er eine tiefe Freundschaft zu Gottfried Kinkel, einem Professor , durch den er genauere Einblicke in die politischen Umstände erhält, wie sie wirklich waren.
1848 G.Kinkel wird einer der Führer der Revolution von 1848 und Schurz schliesst sich ohne zu zögern an. Er beteiligt sich am Sturm auf das Bonner Zeughaus und tritt in das pfälzische Volksheer ein. Er kämpft mit anderen Revolutionären in der Festung Raststatt gegen die Preussen. Nach dem Sieg der Preussen flüchtet er durch einen unterirdischen Kanal und gelangt schliesslich in die Schweiz.
1850 Als Schurz von der Verhaftung seines Freundes G. Kinkel hört, macht er sich in Verkleidung und einem falschen Pass auf den Weg und befreit Kinkel schliesslich aus dem Zuchthaus Spandau.
Er und Kinkel flüchten über Cuxhafen nach Frankreich und England (London). Seinen Lebensunterhalt verdient er sich als Musiklehrer und Zeitungskorrespondent.
Überall wird er wegen seiner Befreiung Kinkels als Held angesehen. Im Hause eines deutschstämmigen Pastors lernt er Margarethe Meyer kennen.
06.07.1852 Er heiratet M. Meyer. Noch im selben Jahr wandert er von Portsmouth nach New York aus.
Schurz: „Meine junge Frau und ich… landeten an einem sonnigen Septembermorgen im Hafen von New York. Mit dem heiteren Mut jugendlicher Herzen begrüssten wir die Neue Welt!“
1855 Europareise zur Erholung seiner kranken Frau
1861 Unter Präsident Abraham Lincoln (Regierungszeit 1861-1865) wird er zum Botschafter der USA in Spanien ernannt.
1862 Am Anfang des amerikanischen Bürgerkriegs kehrt er in die USA zurück, da er das Kriegsgeschehen aus nächster Nähe verfolgen will.
1867 Reist Schurz mit seiner Familie nach Deutschland
1868 Besucht er Otto von Bismarck in Berlin.
1875 Von Frühjahr bis Herbst ist Schurz auf Europareise.
1892 Wiederum Europareise
14.05.1906 Carl Schurz stirbt in New York

Zusammengestellt von Jens Levin, Sebastian Logaric, Manuel Palme

Quellen

  • Materialien des Carl Schurz Hauses in Freiburg, die uns von dort freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden
  • Lebenserinnerungen von Schurz
  • Broschüre der Schurzgesellschaft über Schurz
  • Microsoft Encarta

Informationen zum Text

„Burg Gracht“

Die Burg Gracht war der Stammsitz des Grafen von Wolf-Metternich. Sie wurde zwischen 1650 und 1700 erbaut. Es war ein grosser Komplex mit vielen Türmen, einem Innenhof und umgebenden Wassergraben mit Zugbrücke. In der Mauer über dem Torweg war das Familienwappen mit Inschrift angebracht.

„Vorhin war ich Hessenland
von Guttenberg ein Wolf genannt-
jetzt bin ich durch Gottes Macht
Graf Wolf – Metternich zur Gracht“

Zur damaligen Zeit enthielt die Burg die Wohnung des Pächters, die Ställe, Scheunen, Kornspeicher und die Bureaus der gräflichen Rentmeisterei. Der Graf und seine Familie bewohnte ein eleganteres Gebäude auf erhöhtem Grund, in dem eine Kapelle und die Wohn- und Wirtschaftsräume untergebracht waren. Es wurde ‚das Haus‘ genannt und war ebenfalls von Wasser umgeben.

Um die Burg herum gab es einen etwa 60 Morgen grossen Garten ‚der englische Garten‘ im Versailler Stil und einen anderen Garten der aus schattigen Baum – und Gebüschanlagen, mit manchen Pavillions bestand. Alles dies wurde ‚die Burg‘ genannt.

„Universität Bonn“

Die Rheinische Friedrich- Wilhelm Universität wurde am 18. Oktober 1818 von König Friedrich III. gegründet.

Die erstand im Geist der von Wilhelm von Humboldt geprägten preussischen Kulturpolitik. Idealismus und Aufklärung bestimmten jene Epoche, aufgrund dieses offenen Zeitgeistes konnte sich die Alma Mater in Bonn schnell entfalten, ihr Ruf zog so bedeutende Männer wie August Wilhelm Schlegel, Ernst Moritz Arndt, Barthold Georg Nilbuhr, Johannes Meuller , etc. an.

Von Anfang an gab es in Bonn neben der Juristischen, Medizinischen und Philosophischen Fakultät zwei Theologische Fakultäten.

Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität gehört heute zu den grossen Universitäten Deutschlands.

„Erster öffentlicher Vortrag“

Im Frühjahr hält Schurz seinen ersten öffentlichen Vortrag vor Studenten, die begeistert sind. Nach der Rede trifft er auf Professor Ritschl:
„Er legte mir die Hand auf die Schulter und fragte:, Wie alt sind Sie denn?‘- ,19 Jahre!‘- ,Das ist schade!‘ antwortete er. Man wird nun bald ein Nationalparlament wählen und Sie sind noch zu jung, um ein Mitglied davon zu werden.‘ Ich wurde rot bis über die Ohren. Daß ich Mitglied eines Parlaments werden könne – zu einer solchen Hoffnung hatte sich mein Ehrgeiz noch nicht verstiegen. Ich fürchtete, der Professor habe sich einen Spaß mit mir erlaubt.“ (Zitat Schurz)

„Gottfried Kinkel“

Zitat von Schurz über das Aussehen von Kinkel:
„Kinkel war ein auffallend schöner Mann. Von regelmässigen Gesichtszuegen und von herkulischem Körperbau, über sechs Fuß groß, strotzend vor Kraft. Unter seiner von schwarzem Haupthaar beschatteten breiten Stirn leuchteten ein paar dunkle Augen hervor, deren Feuer selbst durch die Brille (…) nicht gedämpft wurde. Mund und Kinn waren von einem schwarzen Vollbart umrahmt. Kinkel besaß eine wunderbare Stimme (…)“.

11. 08. 1815 Kinkel wird als Sohn eines evangelischen Pfarrers in Oberkassel am Rhein geboren.
Er studiert an der Universität Bonn und Berlin.
1836 läßt er sich als Privatdozent der Kirchengeschichte an der Bonner Uni nieder.
1837 reist er aus gesundheitlichen Gründen nach Italien, wo er sich dem Studium der Kunstgeschichte widmet. Nach seiner Rückkehr wird er Hilfsprediger der evangelischen Gemeinde in Köln. Deshalb fährt er jeden Sonntag von Bonn nach Köln, um seine schwungvollen Predigten zu halten.
Er wird durch seine Dichtergabe, vor allem durch sein Epos „Otto der Schütz“ bekannt.
1843 In Köln lernt er die geschiedene Gattin eines Buchhändlers kennen, die er, nachdem er sie bei einem Schiffsunglueck rettete, heiratet. Da es einem evangelischen Pfarrer unmöglich war, eine katholische, geschiedene Frau zu heiraten, gibt Kinkel die Theologie auf.
1846 wird er als ausserordentlicher Professor der Kunst- und Kulturgeschichte an der Uni Bonn angestellt.
1847/48 Anfang des Wintersemesters lernen sich Gottfried Kinkel und Carl Schurz kennen. Kinkel hält Vorlesungen über Literatur, Kunstgeschichte und Rhetorik, an denen Schurz auch teilnimmt. Daraus entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen ihnen. Kinkel bringt Schurz bei, vor Leuten zu reden.
1848 Im Frühjahr gründen Gottfried Kinkel und Carl Schurz einen demokratischen Club aus Bürgersleuten und Studenten. Kinkel übernimmt die Redaktion der „Bonner Zeitung“, die ein Teil der demokratischen Partei ist. Schurz arbeitet als Redakteur. In den umliegenden Ortschaften betreiben sie „Werbung“ für die demokratische Partei.

„Preussen“

Ehemaliges Herzogtum, hervorgegangen aus dem Gebiet des Deutschen Ordens, dessen Rest der Hochmeister Marktgraf Albrecht von Brandenburg 1525 in ein weltliches protestantisches Herzogtum der Hohenzollern unter polnischer Lehnshoheit verwandelte. 1618 wurde das Herzogtum Preussen mit Brandenburg in Personalunion vereinigt.

Unter Friedrich II. (1740 – 1786) Aufstieg zur Grossmacht, unter Napoleon vorübergehend besetzt. In der Revolution von 1848/49 geht Preussen immer mehr zur Gegenrevolution über.
1850 gewährt der König eine Verfassung.

Im 19. Jahrhundert einigt Preussen die deutschen Staaten unter Ausschluß Österreichs. Von da an wichtigster Staat im Kaiserreich.

1947 von den alliierten Siegermächten als Staat aufgelöst.

„Befreiung Kinkels“

Vorgeschichte

Nachdem Carl Schurz aus der Festung Rastatt mit einigen Kameraden durch einen Abzugstunnel französischen Boden erreicht, geht er vorläufig in die Schweiz.

Von dort kehrt er unter falschem Namen in die Heimat zurück und kann sich im Elternhaus in Bonn verstecken. Dort trifft er die Frau des Hochschullehrers Gottfried Kinkel, der einer der führenden Köpfe der Revolution ist.

Kinkel war vor der Erhebung Angeordneten in der Preussischen Nationalversammlung gewesen. Als er bei den Kämpfen in Baden aktiv teilnimmt und in Gefangenschaft gerät, verurteilt man ihn zu lebenslänglicher Festungshaft und bringt ihn in die Festung Naugad in Pommern.

Befreiung

Auf die dringlichen Bitten Frau Kinkels hin, erklärt sich Schurz bereit, die Befreiung ihres Mannes zu wagen. Nach wochenlangen Vorbereitungen und einigen gescheiterten Anläufen gelingt es Schurz, den Verurteilten aus der Festung Spandau (Berlin), wohin man ihn inzwischen verlegt hatte, zu befreien.

Mit Hilfe eines bestochenen Gefängnisbeamten hatte Kinkel die Krone der Festungsmauern erreichen und sich von dort mit einem Seil herunterlassen können. Schurz, der mit einer Reisekutsche und schnellen Pferden zur Stelle war, kam mit dem Befreiten noch während der Nacht nach Mecklenburg und konnte ihn von dort mit einem Schoner nach England bringen.

Wenig später treffen die beiden in Paris mit Kinkels Frau zusammen. Dort erfahren sie, welches Aufsehen die spektakulaere Aktion in Deutschland erregt hatte: „Obgleich ich schon im kleinen Freundeskreis Lobsprüche sehr warmer Art empfangen hatte, so setzte mich doch das, was ich in Paris über die durch die Befreiung Kinkels erregte Situation erfuhr, in Erstaunen und Verlegenheit. Während Kinkel und ich auf dem Meere schwammen, war es allgemein bekannt geworden, daß ich, ein junger Student von Bonn, bei Kinkels Erlösung in leitender Weise gewesen sei. Über meine Eltern ergoß sich, wie sie schrieben, eine Flut von Glückwünschen, die zum grossen Teil von ganz unbekannten Personen kamen.“

„Zuchthaus“

Strafanstalt zur Vollstreckung der Zuchthausstrafe. Bei der Z.- Strafe bestand (im Unterschied zur Gefängnisstrafe und zur Einschließung ) Arbeitspflicht. Die Folgen davon waren, daß man nie wieder in einem öffentlichen Amt tätig sein durfte und einem die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt wurden. Die Strafe galt als entehrend. Ebenfalls erhielt ein Zuchthäusler nur schwer eine neue Stellung und eine neue Wohnung.

Am 25.6. 1909 wurde die Zuchthausstrafe in der Bundesrepublik Deutschland durch das erste Strafrechtsreform- Gesetz abgeschafft, weil sie wegen genannten Wirkungen der Haftverschärfung einen modernen Resozialisierungsstrafvollzug nicht gestattet und durch ihre diskriminierende Wirkung die Wiedereingliederung des entlassenen Strafgefangenen in die Gesellschaft zusätzlich erschwert. Es gibt heute nur noch eine einheitliche Strafe: die Freiheitsstrafe